Vor kurzem habe ich das Buch „Microtrends“ von Mark J. Penn gelesen. In einem Abschnitt des Buches geht es um Männer, die nicht von Zuhause ausziehen wollen. Sie wohnen bei ihren Eltern, geben ihr gemütliches Schlafzimmer nicht auf, werden von den Eltern durchgefüttert und fahren die Familienautos, wenn sie wollen.
In „Microtrends“ steht, dass 82 Prozent der 18- bis 30-jährigen italienischen Männer noch bei ihren Eltern wohnen. Man nennt sie Mammonis (d.h. Mamma’s Boy). Wir stellen diesen Trend nicht nur in Italien fest, sondern auch in anderen europäischen Ländern. In Deutschland nennt man solche Männer Nesthocker (d.h. Nest Squatters) und in Großbritanien Kippers (d.h. Kids in Parents’ Pockets Eroding Retirement Savings). Ich habe auch den französischen Film „Tanguy“ gesehen. In diesem Film versuchen die Eltern, ihren erwachsenen Sohn aus dem Haus rauszuschmeißen.
Auf jeden Fall gibt es einige Gründe für dieses Phänomen.
1. Sinkende Eheschließungsrate
Je später man heiratet, desto länger bleibt man im Elternhaus. In vielen Fällen sind Männer weder verheiratet, noch haben sie eine Partnerin!
2. Arbeitslosigkeit
Viele Männer können keine Arbeit finden – geschweige denn genug Geld verdienen, um eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen.
3. Respekt gegenüber den Eltern und Familienbindungen
Besonders in Asien (z.B. Singapur) bevorzugen es die Eltern, wenn die Kinder zu Hause leben und sich um die Eltern kümmern. Außerdem sind viele Familien sehr gerne zusammen und helfen sich gegenseitig.
Also, wenn man bei den eigenen Eltern lebt, ist man einerseits gut versorgt, andererseits muss man aber das Bedürfnis nach Freiheit und Privatsphäre zurückstecken.
Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, über längere Zeit bei meinen Eltern zu wohnen. Seit ich 15 Jahre alt bin, stehe ich auf eigenen Füßen – ich schätze deshalb meine Freiheit, Privatsphäre und Selbständigkeit. Diese Freiheit würde ich nie eintauschen.
